Der mobile Kommissionier-Roboter TORU ist ein autonomer Roboter, der zum Regal fährt und dort – wie ein Lagerist – selbsttätig einzelne Objekte entnimmt (Pick-by-Robot).
Der mobile Kommissionier-Roboter TORU ist ein autonomer Roboter, der zum Regal fährt und dort – wie ein Lagerist – selbsttätig einzelne Objekte entnimmt (Pick-by-Robot).

Noch bestimmen vor allem die Automobilbranche und die Elektronikfertigung die weltweite Nachfrage nach Industrierobotern. Doch schon bald soll eine Heerschar wahrnehmungsgesteuerter Robotern auch in Lagern und Distributionszentren die Waren aus den Regalen holen. Magazino, ein Start-up-Unternehmen aus München, hat die ersten mobilen Blechkameraden bereits bei Kunden in Dienst gestellt.

Wer die Veränderungskraft des digitalen Wandels in der Industrie erleben will, muss nicht in die Glaskugel der Trend- und Zukunftsforscher schauen. Ein Blick auf den fortschreitenden Automatisierungsprozess in den Fabrikhallen der internationalen Automobilhersteller genügt, in denen Roboter bereits seit Jahren maßgeblich in die Produktion eingebunden sind. Und die Masse der Roboter wächst weiter rasant an: So soll laut Branchenverband IFR (International Federation of Robotics) ihre Zahl weltweit von derzeit 1,2 Millionen auf 2,6 Millionen im Jahr 2019 steigen. Getrieben werde das immense Wachstum vor allem durch die Tatsache, dass die Automatisierung längst zu einem zentralen Wettbewerbsfaktor für das produzierende Gewerbe geworden sei, betonen die Experten.  

Automatisierte Intralogistik auf dem Vormarsch

Auch in der Intralogistik macht sich in manchen Bereichen der Trend zur Automatisierung bereits bemerkbar. Ein Beispiel sind etwa schnelldrehende Fliesslager mit Regalbedientechnik, bei denen die Ein- und Auslagerung von Ladungsträgern wie Paletten oder Paketen weitgehend automatisiert abgewickelt wird. Zudem kommen vor allem in neuen Distributionszentren immer öfter autonom fahrende Transportfahrzeuge zum Einsatz, die etwa in Stückgutlagern komplette Regalelemente zum Kommissionierplatz bringen. Doch ein wesentlicher Nachteil dieser sogenannten Ware-zu-Mensch-Systeme besteht darin, dass sie sich – wenn überhaupt – nur sehr aufwändig in bestehende Lagerinfrastrukturen integrieren lassen. Dagegen könnten Automatisierungslösungen, die sich schrittweise, bedarfsbezogen und nahtlos in bestehende Abläufe einpassen ließen, Lagerbetreibern sofort eine Vielzahl von Vorteilen verschaffen – gerade in Zeiten, in denen der E-Commerce immer schnellere Abwicklungszeiten und ein professionelles Retourenmanagement erfordert.  

Intelligente Logistikroboter, die durchs Lager rollen und die Kommissionierung entlasten

Eine entsprechende Roboterlösung für die Intralogistik hat unlängst die Münchener Magazino GmbH vorgestellt. Das 2014 gegründete Start-up-Unternehmen hat mit seinem intelligenten und mobilen Kommissionier-Roboter TORU ein Produkt entwickelt, bei dem nicht die Ware zum Kommissionierplatz gebracht wird, sondern ein autonomer Roboter zum Regal fährt und dort – wie ein Lagerist – selbsttätig einzelne Objekte entnimmt (Pick-by-Robot).  

Anders als in kontrollierten Produktionsumgebungen, in denen Roboter mit ständig wiederkehrenden Arbeitsabläufen und exakt gleichen Teilen arbeiten, muss ein intralogistisches Automatisierungskonzept im Stückgutlager viel höhere Flexibilitätsanforderungen erfüllen. So sollte sich der Roboter den Arbeitsraum mit dem Menschen teilen und ohne Probleme parallel mit den menschlichen Kollegen arbeiten können,

erklärt Frederik Brantner, Mitgründer und kaufmännischer Geschäftsführer von Magazino.  

Tatsächlich besticht der autonom arbeitende Kommissionierungsroboter durch seine Lernfähigkeit und flexiblen Einsatzmöglichkeiten: So findet er sich schnell in vorhandenen oder sich ändernden Lagerumgebungen zurecht, navigiert selbsttätig zu den Artikeln, die das Lagerverwaltungssystem per W-LAN bei ihm anfordert, reagiert unterwegs in Echtzeit auf mögliche Hindernisse, erkennt den gewünschten Artikel und entnimmt ihn selbstständig aus dem Regal. Eingesammelte Waren kann er in einem integrierten Wechselregal zwischenlagern und anschließend zum jeweiligen Bestimmungsort bringen. Technologisches Herzstück dieser Fähigkeiten zur Orts- und Objekterkennung, die er zudem per Funk nahtlos an neue Roboterkollegen weitergeben kann, ist ein ausgefeiltes 2D- und 3D-Kamerasystem, mit dem der Roboter seine Umgebung wahrnimmt.  

Völlig neue Geschäftsmodelle dank „Pick-by-Robot“

Angesichts der Vielfalt möglicher Artikel gehört der Greifvorgang zu den technologisch anspruchsvollsten Aufgaben für die Softwareentwickler. Deshalb setzen die Münchener Ingenieure auf ein modulares Konzept, bei dem zwischen unterschiedlichen Greifern ausgewählt werden kann. So greift etwa der „TORU Cube“ quaderförmige Gegenstände – vom kleinen Taschenbuch über einen Schuhkarton bis zum schweren Lexikon. Beim „TORU Flex“ kommt ein Sauggreifer oder ein Greifarm mit Roboter-Hand zum Einsatz, der sogar den „Griff in die Kiste“ ermöglichen soll.  

Das Interesse der Anwender an dieser Lösung, die den Ablauf im Lager revolutionieren könnte, ist riesig. Dies ist auch kein Wunder, wenn man bedenkt, welche Vorteile sich etwa durch die Ausdehnung von Betriebszeiten, die Entlastung der Belegschaft von einfachen oder gebückten Routinetätigkeiten und die Vermeidung von Kommissionierfehlern durch einen nimmermüden Roboter ergeben. Nach erfolgreichen Machbarkeitstests sind heute bereits die ersten Roboter beim Buchdistributor Sigloch und beim Logistikdienstleister Fiege in Deutschland im kommerziellen Einsatz.  

Doch „Pick-by-Robot“ soll in Zukunft auch völlig neue Geschäftsabläufe und -modelle entstehen lassen: „Möglich wird mit unserer Lösung nicht nur der schrittweise Ausbau des Roboter-Bestandes, bei dem die Einheiten nach und nach in das bestehende Lagersystem integriert werden. Denkbar sind künftig auch alternative Service-Modelle, bei denen nur die tatsächlich erbrachte Roboterleistung bezahlt wird und sich Investitionskosten vermeiden lassen“, so Brantner.  

Unsere intelligenten Logistik-Roboter können praktisch in jeder Branche und in Unternehmen jeder Größenordnung eingesetzt werden. Wir glauben, dass wir mit unserer Lösung das Potential zum Weltmarktführer haben. 

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