Seit zehn Jahren treibt Dr. Ralf Garlichs als Technik-Vorstand die Produkt-und Technologieentwicklung der weltweiten Interroll Gruppe mit Nachdruck voran. Doch für den promovierten Maschinenbauingenieur beschränken sich Neuheiten und Verbesserungen nicht allein auf den technischen Bereich.

Herr Dr. Garlichs, Interroll steuert seit Langem auf Erfolgskurs. Da sollten bei Ihnen doch Freude und Zufriedenheit vorherrschen...


Natürlich freuen wir uns, dass Kunden auf der ganzen Welt unsere Arbeit schätzen. Doch wer sich deshalb zufrieden zurücklehnt, steht still und verliert unweigerlich den Anschluss. Zufriedenheit ist ein Feind der Innovation. Dagegen ist die Unzufriedenheit ein wichtiger Motor für nötige Veränderungen und Innovationen.

Im Rahmen der Kaizen-Philosophie, die unternehmensweit auf kontinuierliche Verbesserung setzt und der wir seit Jahren konzernweit folgen, muss man erkannte Defizite oder Beanstandungen übrigens aus einem positiven Blickwinkel betrachten. Danach sollte Kritik nicht als demotivierend, sondern als Chance zur Veränderung, also gleichsam als Geschenk, gesehen werden. Allerdings muss man konsequent daran arbeiten, dass man möglichst wenig Anlass für solche „Geschenke“ bietet.

Und wie sorgen Sie für die nötige Kontinuität bei diesen Verbesserungs- und Veränderungsprozessen?

Der erste Schritt besteht natürlich darin, dass man genau zuhört, was einem gesagt wird. Das beginnt übrigens bereits bei den Vorschlägen, die unsere Produktionsmitarbeiter für verbesserte Abläufe machen. Deshalb haben wir den Austausch über neue Ideen oder aufgetretene Probleme in unseren weltweiten Werken institutionalisiert. Das Gleiche gilt natürlich für die Weiterentwicklung bestehender Produkte. Kommen Signale aus dem Markt, dass bei bestimmten Lösungen Schwierigkeiten bestehen, reagieren wir sofort. Ein Instrument ist die sogenannte „Produktklinik“. Hier stellen unsere Experten regelmäßig und gezielt Produkte oder Lösungen auf den Prüfstand, zum Beispiel um Kostensenkungspotentiale zu realisieren oder dem Produkt neue Funktionen hinzuzufügen.

„Innovationen sind Ideen, die auf den Markterfolg abzielen“

...allerdings geht die Möglichkeit zur Innovation ja oft über konkrete Produkte und Prozesse hinaus.

Richtig. Deshalb müssen Sie nicht nur zuhören, sondern auch die richtigen Fragen stellen, um neuen Ideen Raum zu geben. So befragen wir weltweit systematisch unsere Kunden – ganz unabhängig von konkreten technischen Lösungen – über ihre Sicht des Marktes und die geschäftlichen Herausforderungen, die sie konkret zu bewältigen haben. Was erwartet der Kunde eigentlich von seinem Partner Interroll? Welche Verantwortung soll unser Unternehmen in seinem Geschäftsablauf übernehmen?

Das kann übrigens in verschiedenen Ländern recht unterschiedlich sein. Wie können wir helfen, Aufgabenstellungen zu meistern, die sich dem Kunden stellen? Vielleicht möchte ein Kunde, dass wir für ihn die Komplexität in bestimmten Projekten reduzieren. Erst wenn man diesen Wunsch kennt, kann man konkrete Lösungen entwickeln, die einen echten Mehrwert liefern. Denn Innovationen sind immer Ideen, die letztlich auf den Markterfolg abzielen.

Wir befragen systematisch unsere Kunden weltweit über ihre Sicht des Marktes und die geschäftlichen Herausforderungen, die sie konkret zu bewältigen haben.

Wie haben Sie hierfür die Forschung und Entwicklung bei Interroll aufgestellt?

Hier haben wir in den letzten Jahren stark investiert, was einmal mehr die Bedeutung belegt, die wir bei Interroll Wert auf das Thema Innovation legen. Den Standort des globalen Kompetenzzentrums in Baal bei Düsseldorf haben wir mit Investitionen von rund 13 Millionen Euro zum Innovationscampus der Gruppe weiterentwickelt. Mit dem dortigen Interroll Research Center (IRC) halten wir für sämtliche Produktgruppen und Anwendungen – in enger Zusammenarbeit mit Produktmanagement, Vertrieb und der Interroll Academy – unser technisches Innovationstempo hoch.

Kreativität soll sich frei entfalten können

Dort werden neue Produkte nicht nur entworfen, sondern vor der Markteinführung auch umfassend getestet. Unseren Entwicklern lassen wir dabei bewusst die Freiheit auch Ideen zu verfolgen, die auf den ersten Blick eher abwegig erscheinen. Anders als etwa in der Produktion oder der Weiterentwicklung von Produkten und Prozessen, wo wir Innovationen konsequent mit dem Null-Fehler-Ziel angehen, wird hier sogar das Scheitern neuer Ideen bewusst in Kauf genommen, damit sich die nötige Kreativität frei entfalten kann.

In der Smart Logistics werden die Arbeitsabläufe flexibler und leistungsstärker, die Ansprüche an die Zuverlässigkeit werden also weiter steigen.

Heute ist das Stichwort „Industrie 4.0“ beziehungsweise das „Internet der Dinge“ in aller Munde. Wie gehen Sie bei Interroll mit diesem Thema um?

Klar ist, dass der Trend zur Digitalisierung und Vernetzung in den nächsten Jahren alle Branchen erreichen wird, auch die Intralogistik. Um die Vorteile einer allgegenwärtigen Vernetzung wirklich zu nutzen, muss allerdings ein durchgängiger Informationsfluss in den Wertschöpfungsketten gewährleistet werden. Für uns als Hersteller von Schlüsselkomponenten, die den Materialfluss zwischen Wareneingang und -ausgang ermöglichen, bedeutet dies zunächst, dass wir Systemintegratoren die nötigen Schnittstellen für die Weitergabe der Daten von Sensoren oder von Steuerungen an übergeordnete Verarbeitungssysteme bereitstellen müssen.

Genau dies leisten wir mit der Unterstützung der entsprechenden IT-Standards und unseren Plug-and-Play-Anschlusslösungen. Gleichzeitig werden in der Smart Logistics der Zukunft die Arbeitsabläufe flexibler und leistungsstärker, die Ansprüche an die Zuverlässigkeit werden also weiter steigen.

„Vernetzung und Industrierobotik ist unser Fundament für das Zeitalter der Industrie 4.0“

Und wie bereitet sich Interroll selbst als produzierendes Maschinenbauunternehmen auf diese Zukunft vor?

Besonders für ein Unternehmen, das so schnell wie Interroll wächst, sind neue Möglichkeiten zur Produktivitätssteigerung wichtig. Hierfür bietet natürlich die Vernetzung aller Abläufe in unserer Wertschöpfungskette, wie sie beim Thema Industrie 4.0 diskutiert werden, interessante Perspektiven. Die entsprechenden Hausaufgaben im IT-Bereich haben wir gemacht: Basis für entsprechende Anwendungen ist die auf HANA basierende SAP-Infrastruktur, die wir in den letzten Jahren weltweit aufgebaut haben. Diese durchgängige Vernetzung und der Einsatz von Industrierobotik im Produktionsbereich, den wir testweise implementieren und evaluieren, legen bei uns das Fundament für das Zeitalter der Industrie 4.0.

Allerdings darf man bei allen Diskussionen rund um die Digitalisierung und Automatisierung nicht die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter als wichtigste Ressource des Unternehmens aus den Augen verlieren. Nur wem es gelingt, die Menschen auf dem Weg in diese veränderte Welt mitzunehmen, kann das technologische Potential für weiteres Wachstum voll ausschöpfen.

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